Zuhause bei Salvador Dalí
Zum ersten Mal war ich in Figueres 1998, das war schon tolle Zeit. Es gab noch keine Digitalkameras, man wartete auf den entwickelten Film und bezahlte Unsummen für die Abzüge, die nicht mal in Photoshop Elements optimiert wurden. Tja, die Zeit ist vorbei. Bei diesem Urlaub habe ich es mir geschworen die Kamera nicht in die Hand zu nehmen. Aber Olga nahm sie trotzdem mit und ich konnte mich nicht ganz beherrschen, ohne ein Paar mal auf den Knopf zu drücken.
Und nun, sind wir an einem Tag von Narbonne nach Figueres zum Maestro Salvador gefahren.
Es gibt nicht viele Künstler, die mich faszinieren. 1999 habe ich aufgehört zu malen, weil ich eine wichtige Sache verstanden habe. Kunst ist nicht gleich Kunst. Man kann noch so guter Maler oder Bildhauer sein, ohne Marketing läuft heutzutage nichts mehr. Wenn Marketing stimmt, kann der “Künstler” ein Haufen in die Ecke machen und das Publikum klatscht. Das wird als Kunst verkauft. Beispiele dazu gibt es wie Sand am Meer.
Ich weiss nicht wie es in der Vergangenheit mit dem Marketing war, ob ein Künstler erst ein Betriebswirtschaftsstudium absolvieren sollte, um seine Werke vermarkten zu können, oder reichte es mit den richtigen Leuten zu schlafen – keine Ahnung. Bei Dalí haben ich den Eindruck, er hatte einfach Glück und war einfach verrückt – darum beneide ich ihm ein Bisschen. So verrückt möchte ich auch mal sein und die Freiheit haben alles zu machen wozu man Lust und Laune hat. Also, nach Figueres bin ich gefahren, um ein Bisschen Inspiration zu tanken.
Bevor wir überhaupt die Stadt angucken konnten, haben wir für unser Auto ein Plätzchen unter der Erde gefunden. In Figueres kann man die Parkgebühren ab 1 Minute bezahlen, eine nette Erfindung. Die Stadtväter in Deutschland konnten sich ein Scheibchen abschneiden.

Außer Salvador Dalí gibt es in der Stadt viele interessante und weniger interessante Museen.

Optische Täuschungen lauern überall.

Die Flecken von Kaugummi werden mit heißem Dampf entfernt – sehr schön. Wenn ich an Hannover denke, wird es mir in dieser Hinsicht ganz übel.

Mein Spanisch ist schlechter als mein Englisch, aber besser als mein Japanisch. Das Museum Theater Salvador Dalí wurde schnell gefunden. Eintritt kostet moderate 11 Euro.

Die Eierköpfe wirken nachdenklich aber sind goldig.

So eine Krone möchte ich auch haben. Hat jemand eine übrig? Oder soll ich lieber gleich bei Ebay nachschauen?

Und dann… sah ich endlich das, was ich schon lange wieder sehen wollte. Eine dicke Frau auf dem schwarzen Cadillac. In dem Cadillac sitzen Schaufensterpuppen, wächst Gras und es regnet immer. So ein Auto will ich auch haben. Auf den Regen im Salon kann ich verzichten, aber WAS FÜR EIN AUTO…

Alle Russen, Japaner und Holländer (mehr Sprachen konnte ich nicht entziffern) lassen sich vor dem Auto fotografieren. Meine Oma war eine Japanerin, Großvater – Holländer. Ich habe mich vor dem Auto auch fotografieren lassen.

Ich weiss jetzt wo sich Giger inspirieren lassen hat. Es gibt nichts, was schon mal gegeben hat.

Und was für dicke Eier! Ich habe nach dem Osterhasen gesucht, um ein Foto zu machen, aber sie waren in Figueres alle ausverkauft.

Salvador macht müde. So viel Dalí auf einmal habe ich schon lange nicht konsumiert. Zum Glück gibt es in der Eingangshalle ein Paar Stühle, nämlich 4+4+4. Einige Leute bevorzugen auf dem Fussboden zu sitzen. Das geht auch.

Und viele schöne Jugenstil Elemente, diese sehen aus wie in Paris geklaut, dem Meister traue ich alles zu.

Das Museum hat sofort gewirkt. Die Inspirationssympthome sind bei mir gleich aufgetreten. Die Passanten dachten, ich bin bescheuert. Aber macht nichts, niemand kennt mich in Spanien. Ein kleines Mädchen hat mich um Autogramm gebeten. Warum, fragte ich? “Weil ich noch nie so einen lustigen bärtigen Mann gesehen habe” antwortete sie auf Japanisch. Gott sei Dank hat sie meine Bücher nicht gelesen.

Die Spätfolgen der Inspiration sind in Narbonne aufgetreten. Ich kaufte mir einen Malkasten mit Farben und drei Leinwände. Das soll schon eine zeimlich starke Vergiftung gewesen sein, dass ich mein Schwur nie wieder zu malen gebrochen habe. Auf jeden Fall, konte ich es wieder.

Alles klappte wunderbar!

Komisch, auch nach über 10 Jahren Malabstinenz habei ich es nicht verlernt.

Es ging sogar ohne Staffelei, ohne Grafik-Tablett und ohne Photoshop.

Vor 15 Jahren inspirierten mich Picasso, Braque, Gris und Kandinsky. Kubismus war meine Welt. Das ist sie immer noch.

Meine Ernährungsberaterin Julia passte auf dass ich beim malen meine Diät nicht vergesse und nicht anfange Süßigkeiten zu naschen. Es war lustig wie sie mir die Tafeln Schokolade weggenommen hat und dann selbst gegessen.

Manchmal konnte ich ihre Diätvorträge nicht mehr hören. Aber, trotzdem, in zwei Wochen Urlaub habe ich 5 Kilo abgenommen. Danke Julia, ich werde Dich weiter empfehlen

Währen der Weinproben bemalte ich die Weinkästen mit kubistischen Motiven. Der Wein in Narbonne ist ein Gedicht. Am besten ist ein Dreikampf: frühmorgens – weiß, mittags – rose, abends – rot. Ich lasse mich gerne inspirieren und freue mich auf die nächste Begegnung mit den Künstlern.

Sehr schöner und Persönlicher Artikel und wie ich sehe und Lesen kann, bist Du wieder ein wenig “Back to the Roots” gegangen, was ich im übrigen sehr gut finde.
Ich habe mal schon vor etwas längerer zeit gelesen, das Du eigentlich früher sehr viel gemalt hast umsomehr freuts mich das Du wieder anfängst.
Wünsche Dir noch eine schöne Restwoche und ein super Weekend !
lg Marco
Hallo Marco,
ja, das stimmt. Früher habe ich viel gemalt, habe das aber aufgegeben, weil ich andere Sachen machen musste, um zu überleben. Von der Malerei kann man nicht leben, aber es macht Spass. Das habe ich neulich wieder festgestellt
Ja, das macht wirklich Spaß und man kann sich so schön beim Malen ins eigene Werk verlieren.
Was ich noch erwähnen wollte…
ich weiß das mit der Malerei von Dir, weil ich mal ein gaaanz altes Video gesehen hab von Dir, es ging so glaube ich um ein “Desktop-Aufzeichnungs-Programm”, bin mir aber nicht sicher.
Na jedenfalls war damals Dein Dialekt noch Cooler als jetzt.
)